Remko Leemhuis Portrait
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Europa muss den politischen Islam bekämpfen!

Seit den Terroranschlägen im Jahr 2012, bei denen ein islamistischer Terrorist drei Soldaten, drei jüdische Schulkinder und einen Lehrer in Toulouse ermordete, sind in Frankreich 264 Menschen von islamistischen Terroristen getötet worden.

Der bestialische Mord an Samuel Paty und die Ermordung friedlicher Kirchenbesucher in Nizza waren nur die letzten traurigen Höhepunkte eines Krieges, der nicht nur Frankreich, sondern dem gesamten Westen von Fanatikern aufgezwungen wird, wie nicht zuletzt der homophobe Mord in Dresden und der Anschlag in Wien gezeigt haben.

Dabei dürfen wir uns allerdings nicht nur auf die Täter selbst konzentrieren, sondern müssen vielmehr fragen, in welchem Umfeld etwa der Mörder von Samuel Paty aufgewachsen und im Alter von 18 Jahren, fast noch ein Kind, schon so brutalisiert war, dass er einem anderen Menschen den Kopf abgeschnitten hat.

In diesem Sinne müssen wir unseren Blick auch auf die Organisationen des politischen Islam richten, die zwar selbst nicht gewalttätig agieren, aber das Klima für einen solchen Mord schaffen.

Dies gilt für Frankreich, aber eben auch für Deutschland. Wie Bernard Rougier – ein bedeutender französischer Gelehrter – in einem Anfang dieses Jahres veröffentlichten Buch darlegte, haben sich jene Organisationen in Frankreich bereits ganze Stadtteile erobert.

Das Ziel dieser Islamisten ist es, in den von ihnen kontrollierten Gebieten „Gegengesellschaften“ zu schaffen. Dies ist ihnen auch in einigen Vororten oder „Banlieues“ Frankreichs bereits gelungen, sie haben dort Strukturen etabliert, die fast jeden Kontakt zwischen Muslimen und ihrer Umwelt verhindern.

In diesem Milieu konnte der Hass auf die Demokratie, den Westen, Juden, Homosexuelle und alles, was nicht in das Weltbild der Islamisten passt, gedeihen. Viel zu spät wurden diese Entwicklungen in Frankreich zur Kenntnis genommen und verstanden, dass sie der Nährboden für den Terror sind. Heute darf diese Realität nicht länger ignoriert werden. Weder in Frankreich noch in Deutschland, wo es inzwischen ähnliche Tendenzen gibt.

Zu oft wird von Politikern, Institutionen, Stiftungen und anderen Akteuren zwischen einem gewalttätigen und einem „friedlichen“ politischen Islam unterschieden. Es ist zu begrüßen, dass Emmanuel Macron und Sebastian Kurz mit dieser Unterscheidung nun endlich Schluss machen wollen und dem politischen Islam in jeder Ausprägung den Kampf angesagt haben.

Wir hoffen inständig, dass auch die relevanten Akteure hierzulande sich dem anschließen.

Man sollte nicht länger hinnehmen, dass der verlängerte Arm Erdogans in Gestalt der DITIB und türkischer Rechtsextremisten wie ATIB, das „Islamische Zentrum Hamburg“ (IZH), welches die Vertretung des Antisemitenregimes in Teheran ist, oder getarnte Organisationen der Muslimbruderschaft Dialog- und Vertragspartner des Staates sind.

Warum wird dazu geschwiegen, dass ATIB und IZH Mitglieder im Zentralrat der Muslime sind?

Sollte dies nicht auch endlich Konsequenzen haben? Ganz zu Recht sprechen die demokratischen Parteien nicht mit Organisationen, bei denen auch nur der Verdacht besteht, dass klassische Rechtsextremisten beteiligt sind.

Warum wird hier bei Akteuren eine Ausnahme gemacht, die ein ganz ähnliches Weltbild haben?

Der Kampf gegen den politischen Islam ist auch gerade deswegen wichtig, weil sich die erdrückende Mehrheit der Muslime in Frankreich und in Deutschland nicht durch die Organisationen des politischen Islam vertreten fühlen.

Es muss daher ein Anliegen des Staates sein, endlich dieser Mehrheit ein Gehör zu verschaffen und diesen Muslimen im Kampf gegen die Fanatiker beizustehen und sie zu stärken.

 

Simone Rodan-Benzaquen ist Direktorin des American Jewish Committee (AJC) Europe, Remko Leemhuis ist Direktor des AJC Berlin. Der Beitrag erschien zuerst in der Bild Zeitung