Handreichung „Die Mobilisierung des Ressentiments. Zur Analyse des Antisemitismus in der AfD"
/ Kommentar

Pressemitteilung: Das AJC Berlin veröffentlicht die Handreichung: Die Mobilisierung des Ressentiments. Zur Analyse des Antisemitismus in der AfD

Berlin, den 17. Dezember 2021 - Das American Jewish Committee Berlin hat heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Handreichung „Die Mobilisierung des Ressentiments. Zur Analyse des Antisemitismus in der AfD” gemeinsam mit dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein und dem Autor Prof. Dr. Lars Rensmann, Professor für Europäische Politik und Gesellschaft an der Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande), vorgestellt.

Dr. Remko Leemhuis, Direktor des AJC Berlin, erklärt zur Veröffentlichung: „Wissenschaftlich wie auch medial stehen in der Beschäftigung mit der Alternative für Deutschland (AfD) vor allem ihr Rassismus sowie ihre Migrations- und Demokratiefeindlichkeit im Zentrum der Debatte. Dem Antisemitismus der AfD wurde indes aus unserer Sicht bisher noch nicht ausreichend die gebotene Aufmerksamkeit zu Teil.

Leemhuis führt weiter aus: „Dies ist aus unserer Sicht problematisch, da der Antisemitismus ein Kernelement der Parteiideologie ist. Einer der Gründe dafür, dass dieser Aspekt bisher weniger Beachtung gefunden hat, liegt zweifellos auch darin begründet, dass sich die AfD immer wieder energisch als Freund der jüdischen Gemeinschaft und des Staates Israel inszeniert. Bei der näheren Betrachtung der AfD wird allerdings rasch deutlich, dass diese Positionierung rein taktischer Natur ist, dient diese vermeintliche Parteinahme doch nur als Mittel für ihre rassistische und migrationsfeindliche Propaganda.

Die vorliegende Handreichung soll zum einem dazu dienen, die wesentlichen antisemitischen Ideologeme und Aspekte des Antisemitismus in der Partei darzustellen. Zum anderen soll sie auch das Thema insgesamt stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken und die beschriebene Selbstinszenierung der Partei demaskieren”, so Leemhuis abschließend.

Der Autor Prof. Dr. Lars Rensmann erklärt zur Handreichung: „Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien in Europa haben seit langem ein Problem mit der liberalen Demokratie. Sie sind seit je auch aufs Innigste nicht nur mit Nationalismus und Verschwörungsideologien, sondern auch mit Antisemitismus verbunden. Entgegen manchen öffentlichen Wahrnehmungen trifft das auch auf die AfD zu, die sich zur deutschen Parteienvertretung einer autoritär-nationalistischen »Gegenrevolution« entwickelt hat.”

Und weiter führt er aus: „In der Partei und unter ihren Wählerinnen und Wählern nehmen trotz manchen anderslautenden Lippenbekenntnissen Israelfeindschaft, Holocaustrelativierung, antisemitisches Verschwörungsdenken und judenfeindliche Bilder einen prominenten Platz ein. Dies zeigt sich auch in der jüngsten Coronavirus-Krise. Die rechtspopulistische Konstruktion einer »korrupten globalisierten Elite« und das Feindbild einer imaginierten liberalen globalistischen Weltregierung, die hinter der Coronakrise und einem »großen Bevölkerungsaustausch« stünde, gehören zu der von Rechtspopulisten mobilisierten Vorstellungswelt, an die sich die Idee von der jüdischen oder »talmudistischen« Weltverschwörung anschließen kann.

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein sieht in dem Zusammenspiel von Rechtspopulismus und  Antisemitismus eine Gefahr für Jüdinnen und Juden: „Demokraten beobachten es seit geraumer Zeit mit Sorge: Rechtspopulismus findet in Deutschland immer mehr Zulauf. Hass und Hetze gegen Minderheiten, gegen Andersdenkende und damit letztlich gegen die demokratischen Grundwerte, gegen Toleranz und Freiheit brechen sich besonders im Internet und bei Kundgebungen Bahn.” 

Des Weiteren führt er aus: Ziel von Rechtspopulisten ist es, autoritäre Einstellungen und Nationalismus zu mobilisieren, einhergehend auch mit der sogenannten Schlussstrich-Mentalität, die ein Ende der deutschen Erinnerungskultur und der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit fordert. Diese Denkmuster sind zu 100 Prozent anschlussfähig an antisemitische Ressentiments. Denn Antisemitismus wendet sich nicht nur gegen jüdische Menschen. Er ist Ausdruck einer zutiefst demokratiefeindlichen Haltung und lehnt die Errungenschaften unserer modernen, freiheitlichen Gesellschaft ab.”

Link zur Handreichung: Die Mobilisierung des Ressentiments. Zur Analyse des Antisemitismus in der AfD.

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